Leo Jacob, Meditationen eines Klosterschülers


Leo Jacob, Meditationen eines Klosterschülers

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Leo Jacob

Meditationen eines Klosterschülers
Zeichnungen


Mit einem Vorwort von Germaine Paulus

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Ein Saarländer im Himmel

In einfachen Worten stützt sich die große Tradition der Karikatur durch die Jahrhunderte hinweg auf zwei wesentliche Pfeiler. Zum einen auf die politisierte Gesellschaft, zum anderen auf den Glauben und die Formen seiner Institutionalisierung. Vom ägyptischen Hieroglyphen-Graffito als obszöne Darstellung der Herrschenden, über den im Dekor aufblitzenden Spott an mittelalterlichen Säulenkapitellen bis hin zur modernen Illustration in der Tageszeitung – die bildliche Kritik an der Obrigkeit oder gesellschaftlichem Gehabe ist fest in der Geschichte des freien, parteiischen Denkens verankert. Gerade dann, wenn die Meinungsäußerung durch Repressalien eingeschränkt war, hatte die oftmals anonyme Stimme der Karikatur eine wichtige Funktion: Sie war Zunge der Andersdenkenden, mal ordinär, mal subversiv spitz. Mal einfach nur frech den als Missständen empfundenen Gegebenheiten herausgestreckt. Sie zeigte, was das Volk, beziehungsweise Teile dessen, wirklich empfand. Sie war eine Waffe. Eine friedliche, aber nichtsdestotrotz ungemein scharfe Waffe. Es liegt auf der Hand, dass die Karikatur durch diese ihr innewohnende Kraft der Instrumentalisierung nicht entgehen konnte. Karikatur, das war immer auch ein Weg, Propaganda oder Polemik unter die Leute zu streuen. Durch belustigende Zerrbilder bekämpfte das eine Lager das andere, wie beispielsweise in Deutschland zu Zeiten der aufstrebenden Reformation. Da wurde Luther zum Dudelsack des Teufels, während die Gegenseite den Papst zum Esel machte. Das Thema Religion ist eben ein Evergreen unter den Spottzeichnungen, und – wie die jüngsten Ereignisse um das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo schmerzhaft bewiesen – es ist ein gefährliches Terrain.
Als Leo Jacob sich in den 1950er Jahren auf dieses Terrain begab, besuchte er das Ludwigsgymnasium in Saarbrücken. Und die Gefahr hatte er weiß Gott nicht im Visier. Aber die Missstände. Jacob zeichnete, wie er selbst es mit einem Lächeln formuliert, „schon immer“ und begann früh, sein künstlerisches Talent als Ventil zu nutzen. Als Möglichkeit, Ungerechtem zu begegnen – oder sich einfach Luft zu machen. Der Schüler brachte das zu Papier, was er als anprangerungswürdig erachtete und gab seinem Fingerzeig über die Studienzeit bis hin zum Beginn seiner Tätigkeit als Mediziner immer größeren Spielraum. Schon der Blick auf den Einband dieses Buches und einen bestimmten, Birett tragenden Vertreter des darauf zu bestaunenden Insekten-Sammelsurium zeigt: Hier zeichnet einer, dem so einiges an der Kirche gegen den Strich geht. Einer, der schon seinen Katechismus mit eigenen Ansichten und den entsprechenden Skizzen versah. Einer, der dachte, anders dachte und dies auch zeigen musste. Mit Humor, Häme und gezücktem Stift. „Wenn ich um 1976 herum nicht wieder angefangen hätte, zu malen und zu zeichnen … Ich wäre verrückt geworden“, verrät Jacob auf die Frage hin, was ihn dazu bewegt habe, nach der durch den Berufsstart bedingten kreativen Pause wieder mit der Kunst zu beginnen. Dabei liegt ein verschmitzter Ausdruck in seinem Blick. Und eben diesen findet man in seinen Arbeiten wieder. Nicht nur in seinen bemerkenswerten Gemälden oder bizarren Patientenzeichnungen, auch und in besonderem Maße in seinen Karikaturen. Ob Filz in der Kurie, Bigotterie und unheilige Allianzen mit dem „Feind“ – Jacobs Illustrationen stecken voller feiner Kritikpunkte, die auch heute nicht an Aktualität verloren haben, ja bisweilen sogar visionär wirken. Dabei zeichnet die Arbeiten vor allem eines aus: ein gewisser Schalk, ein Fehlen von plumper Bösartigkeit. Und ein gewisses Augenzwinkern: „Cogito ergo sum“, sagt der nackte Mann in einer der Illustrationen. Nichtsahnend, dass der Hummer hinter ihm schon auf dem Weg ist, um ihn in den Allerwertesten zu zwicken. Ob der Nackedei Tonsur trägt oder einfach nur an Haarausfall leidet, darf der Betrachter selbst entscheiden. Dieser sympathische Humor zieht sich durch die „Meditationen eines Klosterschülers“, erinnert an Thoma, Valentin und viele andere. Gestützt von Jacobs ebenso sympathischem Strich mildert das Optische die Aussage nur vordergründig ab, um sie genau genommen gerade durch diese niedlichen Teufelchen und lächelnden, dicken Pfaffen zu potenzieren. Es hat Mumm. Gerade weil es auf den ersten Blick so freundlich ist. Und vor allem hat es Anspruch. Den Anspruch, selbst zu denken und sein Denken in gleichem Zuge auch infrage zu stellen. Denn bevor man mit stolzgeschwellter Brust verkündet, dass man denkt, sollte man sich immer umschauen.
Vielleicht sitzt da ja ein Hummer.
Germaine Paulus


 

Weitere Produktinformationen

Seitenanzahl 120
Format 210 x 210
Erscheinungsjahr 2015
Bindungsart Hardcover
ISBN 978-3-945996-003

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